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Happy Birthday

 

DIE ÜBERLEGUNG

Es stellt sich oft die Frage,
was schenkt man heutzutage,
außer Silber, Gold und Platin,
seiner holden Gattin?
Was wärmt ihr Herz nach all der Zeit,
da langt wohl keine Kleinigkeit,
da muss was richtig Grosses her,
doch das zu finden fällt mir schwer.
Mir raucht der Kopf, oh weh, oh weh,
Wellnessurlaub und Cabriolet,
was hab ich für Geschenke ersonnen,
doch die hat sie alle längst bekommen.
Was soll ich tun, ich bin am Ende,
wenn ich bloß was für sie fände.

Warum nicht gleich!
Jetzt hab ich’s doch!
Das hat sie nicht,
das braucht sie noch!

Es wird sie zwar anfänglich giften,
denn ich lass sie zum Geburtstag liften.

Ich denk´ mir doch seit Jahren schon,
spendier´ ihr diese Op´ration,
zudem glaub ich auch insgeheim,
man geht dann wieder lieber heim.
Ich ruf mal schnell den Doktor an
und frag, was man noch ändern kann.
Das Fett an Hüften und an Beinen,
das ging doch grad in einem.
Ich glaub´ er würd´ mir zudem sagen,
ihr Bauch könnt´ Korrektur vertragen,
und unter uns, der Po,
der braucht es sowieso.
Sein Blick ging dann zu ihren Brüsten,
die sollte man wohl auch aufrüsten.

Ich schreib die Preise auf´s Papier
und geh dann doch zum Juwelier,
denn ich habe längst kapiert,
dass sich das wohl nicht mehr rentiert.
 

DIE GEBURTSTAGSFEIER

Am Tisch steht eine Torte,
eine von der »Sacher« Sorte.
Groß sieht man darauf geschrieben,
viel zu dick und übertrieben,
»HAPPY BIRTHDAY« und daneben,
»Lange soll er glücklich leben«.
Rund herum brennt jede Menge
Kerzen, und im Gedränge
dieser Schar von Gratulanten,
die den Weg zur Wohnung fanden,
steht genau, wie letztes Jahr,
unscheinbar, der Jubilar,
der trotz der Mühe, im Moment,
kaum ein´s der Gesichter kennt,
die vor Gier ganz wild und blind
hinter seinem Bier her sind.
Jene, die ein Glas ergattert haben,
sieht er an nun Brötchen nagen,
nachdem sie, den ersehnten Leckerbissen
unter Drängen an sich rissen.
So hat im Kampf um Bier und Huhn
jeder mit sich selbst zu tun!
Wer dies kennt, weis solche Stunden
gehen reibungslos über die Runden,
denn bei solch gierigem Verzehr
braucht es keinen Gastgeber,
drum macht der sich ganz, ganz schmal
und schleicht sich in sein Stammlokal.
Natürlich ist die Kneipe leer,
man feiert ja bei ihm, und so trinkt er
auf sein Sternzeichen, das Stierchen,
in aller Ruhe seine Bierchen.
Er denkt an die Glückwunschkarten,
die zu Hause auf ihn warten
und an die Präsente fürs Geburtstagskind,
die meist kitschig oder sinnlos sind.
Morgen folgen noch die Aufräumungsarbeiten, die solche Feste stets begleiten,
doch irgendwie freut er sich jetzt schon vage,
auf dreihundertvierundsechzig
geburtstagslose Tage.
 

AUSGETRÄUMT

(MiniDrama)

Personen:

SIE (äußerst attraktiv im Morgenmantel,
circa 35-jährig)
ER (Anzug und Krawatte, circa 50-jährig)

Frühstückstisch; an dem beide sitzen

ER: Ich hab schon wieder schlecht geträumt.

SIE: Von was träumt man, wenn man schlecht träumt?

ER: Du hast mich betrogen!

SIE: Ich! Dich?

ER: Ja, nicht zum ersten Mal!

SIE: Liebling, was träumst du bloß für Sachen?

ER: Ja, sobald ich aus dem Haus bin kommt er vorbei, läutet drei Mal und ihr liebt euch den ganzen Vormittag, während ich ...

SIE: (steht auf, umarmt ihn von hinten und küsst ihn auf die Wange) Liebling, es war ja nur ein Traum, vergiss es. Verrate mir lieber, was du dir zum Geburtstag wünschst.

ER: (hält ihre Arme fest, schließt verliebt die Augen - kleine Pause- blickt gestresst auf seine Armbanduhr) Verdammt, ich bin spät dran! Ich muss noch den Wagen aus der Werkstatt holen. (steht auf, küsst sie, will abgehen ...)

Es läutet drei Mal - Vorhang

 

SINNLOS

Ihm wurde stets, von seinen »Alten«,
die Gefahr vom Hals gehalten.
Der Junge sollt´, ohne Beschwerden,
so richtig alt und glücklich werden.
Als Kind bekam er nichts zu schlecken,
weil in Süßigkeiten Stoffe stecken,
»E 111« und andres Zeug,
das man irgendwann bereut.
Auch Tiramisu war stets tabu,
wegen der Salmonellen,
die einen dann zu Tode quälen.
Zu Hause wurde nie geraucht,
weil man gesunde Lungen braucht.
Auch Alkohol war nie ein Thema,
der fiel gleich anfangs aus dem Schema.
Fleisch vom Grill, gab´s nie, ganz klar,
der Grund war diese Krebsgefahr.
So glaubte man, dass dieser Knabe
ein richtig langes Leben habe.
Das Schicksal hat dies nicht gewollt,
ein Laster hat ihn überrollt.

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